Akademie-Vorlesungen im Schloss (1. Halbjahr 2019)

"Kommunikation und Verständnis"

 

Gemeinsame Veranstaltung der Braunschweigischen Wissenschaftlichen Gesellschaft und der Stadt Braunschweig

 

Veranstaltungsort:

Kulturinstitut der Stadt Braunschweig, Roter Saal, Schlossplatz, 38100 Braunschweig

 

Kommunikation und Verständnis – Akademie-Vorlesungen im Schloss

Kommunikation ist heutzutage ein Allerweltswort: von der unmittelbaren sprachlichen Begegnung zweier Menschen bis zum elektronischen Informationsaustausch über den ganzen Globus hinweg. Wie aber ist es mit der gegenseitigen Verständigung? Geht es um reine Datenübermittlung über feststellbare Sachverhalte? Geht es um die Gleichschaltung paralleler Prozesse über unterschiedliche Entfernungen hinweg aus dem Nano- bis in den kosmischen Makrobereich? Wie ereignet sich Kommunikation zwischen Menschen gleicher oder einander fremder Sprachen? Vollzieht sie sich nur auf der sprachlichen Ebene? Ist Kommunikation stets mit Verständigung verbunden? Kommunikation und Verständigung sind nicht gleichzusetzen. Beide Möglichkeiten menschlicher Beziehung ereignen sich nicht nur sprachlich sondern auch non-verbal emotional, leiblich-haptisch, mimisch und gestisch. Wie kommunizieren Menschen und Tiere miteinander und wie verständigen sich Tiere untereinander?

Über die sprachliche Kommunikation hinaus ist auch die von der Technik mitgeprägte Lebenswelt des Menschen nicht denkbar ohne das kooperative, auf Kommunikation gestützte Miteinander von Mensch und Maschine, von Mensch und Roboter. Das ist nicht nur mittels der unmittelbaren Nutzung technischer Handwerkszeuge möglich. Es bedarf der konkret und virtuell vermittelten Information und Koaktion in globaler Vernetzung.

Bleibt die Frage, ob die scheinbare Verselbständigung von technischer inkl. elektronischer Kommunikation nicht die bis in die selbsterlebte Leiblichkeit des Menschen reichende emotionale und existenzielle Dimension von Verständigung aus den Augen verliert. Verständigung ist mehr als Informationsaustausch. Wo immer Leben beteiligt ist am Prozess der Interaktion, geht es auch um nicht konkret Fassbares.

Die uns umspannenden Formen von Kommunikation und Verständigung zeigen vielfältige Aspekte, die den Menschen und seine Lebenswelt prägen, die auch um seiner selbst willen wert-orientiert reflektiert werden müssen.

Die geplante Reihe der Akademie-Vorlesungen im Schloss 2019 unter dem Thema .Kommunikation und Verständigung“ wird aus der Sicht verschiedener Natur-, Technik- und Geisteswissenschaften die Vielfalt deutlich machen.

 

Mi., 27. 02., 18.30

 

Prof. Dr. Ulrich Reimers

Institut für Nachrichtentechnik der TU Braunschweig, BWG-Mitglied

 

„Von TOoL+ zu FeMBMS – Broadcast in der Mobilfunkwelt!?“

Heutige Mobilfunk-Standards, wie das derzeit aktuellste System der sogenannten 4. Generation mit der Bezeichnung LTE (Long Term Evolution), sind darauf spezialisiert, jeder Kundin bzw. jedem Kunden eine individuelle Mobilfunkverbindung bereit zu stellen. Wenn also tausende Mobilfunk-Kund/innen zeitgleich ein Fußballspiel auf dem Smartphone oder dem Tablet sehen wollen, werden auch tausende individuelle Mobilfunk-Verbindungen benötigt. Dass das bei populären Inhalten wie Fußballspielen o.ä. unsinnig ist, liegt auf der Hand. Tatsächlich ist aber die Video-Nutzung heute die dominierende Anwendung in den Mobilfunknetzen.

 

Der Vortrag analysiert Lösungsansätze und erklärt, welcher in Braunschweig gefunden wurde – für die Welt.

Di., 12. 03., 18.30

 

Prof. a. D. Dr. Georg Rüppell

Institut für Zoologie der TU-BS

 

„Kommunikation im Tierreich: Beispiel Libellen“

Libellen kommunizieren hauptsächlich mit Hilfe ihrer Augen. Diese haben ein 10-15 mal höheres,  zeitliches Auflösungsvermögen als wir Menschen – sie sehen wie in Zeitlupe. Deshalb nutzen wir seit vielen Jahren Zeitlupenkameras, um ihre Kommunikation zu entschlüsseln. Libellenmännchen erkennen sich und kämpfen heftig.  Es gibt aber auch Pazifisten unter den Libellen: Prachtlibellen und viele moderne Segellibellen besitzen farbige Flügel. Diese setzen sie als Signalflaggen ein und vermeiden dadurch Kämpfe. Vor Weibchen erhöhen sie drastisch ihre Schlagfrequenz. Weibchen bewerten dieses und suchen danach einen guten Partner aus –  und so gute Gene für die eigenen Nachkommen! Ein spannender Einblick in die Wirkungsweise der Evolution

Mi., 10. 04., 18.30

 

Prof. Dr. Jochen Steil

Institut für Robotik und Künstliche Intelligenz der TU Braunschweig

 

„Wie kommunizieren Mensch und Roboter miteinander?“

Kommunikation zwischen Mensch und Maschine ist notorisch wechselhaft. Menschen reden mit ihren Geräten, geben ihnen Namen und pflegen sie liebevoll – solange alles gut geht. Probleme sind aber allgegenwärtig: es funktioniert eben nicht (immer)! Das Verhältnis wird noch komplizierter, wenn Mensch und Roboter kommunizieren, denn neue Schnittstellen, menschähnliches Aussehen und Lernfähigkeit bieten viele neue Modalitäten, miteinander zu interagieren. Dabei entstehen oft falsche Erwartungen und neue Missverständnisse. Aber auch ein viel intuitiverer Umgang mit Robotern ist möglich, wenn diese sich dem Menschen besser anpassen.

Der Vortrag diskutiert Grenzen und Möglichkeiten dieser komplizierten und zunehmend intensiveren Beziehung.

Mi., 22. 05., 18.30

 

Prof. Dr. med. Dr. phil. Thomas Fuchs

Klinik für Allgemeine Psychiatrie, Abteilung für Phänomenologisch-anthropologische Psychiatrie, Universität Heidelberg

 

Der Schein des Anderen – Empathie und virtuelle Beziehungen

In einer Zeit zunehmender virtueller Kommunikation stellt sich die Frage, welche Rolle die Empathie in virtuellen Beziehungen spielt. Der Vortrag unterscheidet dazu zwischen (1) zwischenleiblicher, (2) erweiterter und (3) fiktionaler Empathie, wobei sich letztere auf fiktive oder virtuelle Personen richtet. Empathie, so zeigt sich, ist nicht an den zwischenleiblichen Kontakt gebunden, sondern spielt auch in der virtueller Kommunikation eine große Rolle, allerdings mit dem Risiko der Projektion von Emotionen auf den Anderen. Auf dieser Grundlage analysiert der Vortrag die Virtualisierung in der gegenwärtigen Kultur, insbesondere die Simulation von Realität und die entkörperte Kommunikation.

Di., 18. 06., 18.30

 

Prof. Dr. Renate Stauf

Institut für Neuere Deutsche Literatur, TU Braunschweig, BWG-Mitglied

 

„Liebeskommunikation im Zwischenraum von Kunst und Leben – Friedrich Gundolfs Briefwechsel mit Elisabeth Salomon“

Quelle: Friedrich Gundolf an Elisabeth Salomon, 15. April 1920 (FG-ES, Briefe, S. 223)

Der Vortrag stellt den Liebesbriefwechsel zwischen dem Heidelberger Germanisten Friedrich Gundolf und der promovierten Nationalökonomin und freien Journalistin Elisabeth Salomon ins Zentrum. Die lange nicht zugängliche, zwischen 1914 und 1931 geführte, Korrespondenz ist nicht nur ein einzigartiges historisches Zeugnis der Zwischenkriegszeit (vor dem Hintergrund von Erstem Weltkrieg, Spartakusaufstand, Inflationszeit). An ihr lassen sich Schreibakte der Briefkommunikation auch als ästhetisches Phänomen beobachten. Herkömmliche Dichotomien zwischen Werk und Leben, Fiktion und Wirklichkeit, erweisen sich dabei als unhaltbar.

2019_Flyer_AkademieVorl_HJ(1).pdf
PDF-Dokument [2.3 MB]

Termine 2019

Akademie-Vorlesungen im Schloss 1. Halbjahr 2019

"Kommunikation und Verständnis"

 

Mi., 27.02.

Di., 12.03.

Mi., 10.04.

Mi., 22.05.

Di., 18.06.

jeweils 18.30 Uhr

 

Veranstaltungsort:

Kulturinstitut der Stadt Braunschweig, Roter Saal, Schlossplatz 1

38100 Braunschweig

Verleihung der Carl Friedrich Gauß-Medaille 2019

an

Professor Dr.-Ing. Dr.-Ing. E. h. Manfred Curbach

 

Kolloquium "Bauen im Jahr 2050: Erfordernisse, Chancen, Ideen"

Freitag, 10.05.2019,

9.30 - 12.30 Uhr

 

Feierliche Jahresversammlung

mit Verleihung der Carl Friedrich Gauß-Medaille 2019

 

Freitag, 10.05.2019,

16.00 Uhr

 

Veranstaltungsort:

Bürgermeisterzimmer und Dornse des Altstadtrathauses der Stadt Braunschweig

 

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